Liebe Patienten und Patientinnen,

 

es ist Zeit Abschied zu nehmen – eine Lebensphase geht für mich zu Ende, die mir sehr viel Freude bereitet hat, die mich gefordert, manchmal überfordert hat und in der ich vielen von Ihnen helfen durfte.

 

1984 fasste ich den Entschluss Medizin studieren zu wollen – damals als Zivildienstleistender in Krankentransport und Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes und schon früh im Studium war mein Ziel, als Hausarzt in meinem Heimatdorf – Traisa – arbeiten zu wollen.

 

Es dauerte einige Jahre der Ausbildung, bis ich dieses Ziel erreicht hatte, aber schon während des Studiums lernte ich als Famulus in der Praxis meines späteren Partners Reiner Böttcher die ersten von Ihnen als Patienten kennen.

 

Nach dem Staatsexamen 1993 folgten Jahre der Weiterbildung im Elisabethenstift und im Alice-Hospital, bevor ich 1998 tatsächlich in Traisa in der Praxis Böttcher meine berufliche Heimat fand - zunächst als Weiterbildungsassistent, später als Teilhaber in der damaligen Praxis in der Ludwigstraße.

 

Die Praxis zog nach dem Ausscheiden von Herrn Böttcher und dem Einstieg von Dr. Kneussel im Jahr 2012 in die Wiesenstraße, wo ich ein Haus - geplant nur für diesen Zweck - errichten konnte. Hier wird unter anderer Trägerschaft und mit anderen Ärzt(inn)en auch in Zukunft der hausärztliche Stützpunkt Traisas bleiben.

 

Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Patientenorientierung waren mir zu jeder Zeit die wichtigsten Punkte in der Ausübung meines Berufs. Ich habe versucht, jedem Patienten die Zeit zu geben, die er oder sie benötigte. Dabei war mir Dringlichkeit das wichtigste Kriterium, der Versicherungsstatus war mir eher unwichtig. Notfälle gingen immer vor.

 

Manchmal hat dies zu Unmut unter den Patienten geführt, meist aber stieß ich auf Verständnis.

 

In den letzten Jahren spürte ich zunehmend, wie ich zwischen die Mühlsteine der Gewinnorientierung und Ökonomisierung im Gesundheitswesen geriet. Ärztliche Therapiefreiheit wurde zunehmend ersetzt durch Leitlinien, Budgets und Regelvolumina – Einschränkungen, die ich gegen meine Überzeugung häufig verteidigen musste. Die Patientenorientierung blieb dabei zunehmend auf der Strecke.

 

Der sich verschärfende Ärztemangel in Mühltal mit entsprechend steigenden Patientenzahlen, immer frühere Krankenhausentlassungen, zunehmende Bürokratisierung und meist misslungene staatlich dirigierte Digitalisierung erschwerten den Arbeitsalltag in den vergangenen Jahren zusätzlich in erheblichem Umfang.

 

Von dem Beruf, den ich vor Jahrzehnten ergriffen hatte, blieb am Ende nur wenig übrig.

 

Geblieben ist mir aber bis zuletzt die Freude an der direkten Arbeit mit Ihnen – „meinen“ Patienten -, die Zufriedenheit, wenn es mir gelang, Ihnen zu helfen.

 

Ich möchte Ihnen von Herzen danken für das Vertrauen, das Sie mir in all den Jahren entgegenbrachten und für das Verständnis, das Sie aufbrachten, wenn ich Ihren Erwartungen nicht so ganz entsprochen habe.

 

Besonders danken möchte ich aber auf diesem Weg für die unzähligen guten Wünsche für meine Gesundheit, für die vielfältigen Hilfsangebote und für die vielen Aufmerksamkeiten, die ich im letzten Jahr seit meiner Krebsdiagnose empfangen durfte.

 

Dies alles hat mich wirklich zutiefst berührt.

 

Nun beginnt eine Zeit für mich, in der ich mich neuen Dingen widmen und einen neuen Abschnitt meines Lebens beginnen darf. Ich hoffe, die durch Sars-CoV2 (oder schlicht Corona) ausgelöste Einschränkung der sozialen Kontakte endet rechtzeitig, so dass ich Ihnen in einer neuen Funktion – als privater Joachim Walter – begegnen darf.

 

 

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